Da ich ein paar Rückfragen bekommen habe, wie die m)))motion-Fotos entstanden sind, gibt’s diesmal in ein paar loosen Punkten ein
how-to
“Sportfotografie bei schlechten Lichtverhältnissen“
Erfahrene Fotografen werden hier nicht viel neues finden, aber für alle, die eher sporadisch Fotos machen oder noch nicht lange selbst fotografieren ist vielleicht der ein oder andere hilfreiche Tip dabei:
- The camera matters.
Ich bin großer Verfechter der gegenteiligen Aussage, aber wer bei schlechtem Licht Sportaufnahmen machen will, der braucht im Normalfall leider tatsächlich ein Mindestmaß an vernünftiger Ausrüstung, wenn am Ende des Tages sehenswerte Resultate vorliegen sollen.
Eine Spiegelreflexkamera sollte es also schon sein, digitale Kompaktkameras sind (zumindest für dieses Zweck) zu langsam und produzieren aufgrund der kleineren Sensoren arg verrauschte Bilder. Bei den Objektiven gilt zusätzlich: Lichtstärke ist Gold wert, da die entsprechenden Zoomobjektive sehr teuer sind empfiehlt sich grade für Anfänger der Kauf einer günstigen Festbrennweite mit großer Anfangsöffnung. - Manuell belichten.
Geschlossene Räume wie Festhallen, Theaterbühnen u.ä. sind zwar in der Regel miserabel, aber dafür zumindest konstant ausgeleuchtet. Das hat den Vorteil, dass sich relativ gut mit manueller Belichtung arbeiten lässt. Manuell zu belichten ist zwar Anfangs nicht ganz einfach, für schwierige Lichtsituationen (Gegenlicht, rotierende Scheinwerfer etc.) aber deutlich besser geeignet.
Konkret heißt das: Zu Anfang (wenn nötig mit Hilfe der Automatiken, Histogramme und des Kameramonitors) die richtige Belichtung herausfinden, diese dann manuell einstellen und von Zeit zu Zeit nachkontrollieren. Klingt aufwendig, ist es auch, sichert aber für die eigentlich wichtigen Aufnahmen die richtige Belichtung und ermöglicht die Konzentration auf die eigentliche Aufnahme.
- ISO hoch.
In den allermeisten Fällen gilt: Lieber ein scharfes Bild, dass etwas verrauscht ist, als ein unscharfes Bild, auf dem kein Rauschen zu erkennen ist. Moderne digitale Spiegelreflexkameras haben inzwischen ein hervorragendes Rauschverhalten, so dass bei der richtigen Belichtung ISO-Werte bis zu 3200 und darüber hinaus (–>Vollformat-Sensoren) noch akzeptable Bilder ergeben. - Kurze Belichtungszeit wählen.
Sportfotografie wäre nur halb so spannend, wenn sich die Protagonisten dabei nicht bewegen würde – und Sportfotos werden nur halb so scharf, wenn der Fotograf diese Bewegungen nicht “einfriert”. Deshalb unbedingt darauf achten, dass die Belichtungszeit 1/125 s nicht überschreitet! Die genauen Untergrenzen sind sportart- und situationsabhängig und müssen im Zweifelsfall durch ein bisschen Ausprobieren gefunden werden. Die m)))motion-Fotos sind größtenteils bei etwaf/2.8
1/200 s
ISO 2500
entstanden – nur mal so als Richtlinie.
- Blitz daheimlassen.
Ein Blitz kann oft von entscheidender Bedeutung für ein Foto sein, aber in der Sportfotografie habe ich die Erfahrung gemacht, dass man ihn lieber daheimlassen sollte. Blitze sind zu langsam wieder aufgeladen, um schnell auslösende Bildserien auszuleuchten, zumindest in größeren Räumen meistens zu schwach, um indirekt (über die Decke oder Wände) zu blitzen und haben außerdem eine ungleichmäßige Ausleuchtung zur Folge, die die geschossenen Fotos meistens nicht sehenswerter macht.
Wenn die technischen Hürden überwunden sind, dann rücken andere Heraus- forderungen in den Vordergrund:
- Standort sorgfältig auswählen.
Hoher oder tiefer Kamerastandpunkt? Rück- oder Gegenlicht? Vor oder hinter den Protagonisten? Dieser Punkt lässt sich nur schwer in Worte fassen, aber natürlich spielt der Standort für die Bildwirkung eine entscheidende Rolle. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf den Hintergrund gelegt werden – im Eifer des Gefechts wird der gerne mal vergessen, und nichts ist ärgerlicher als eine perfekt ausgeleuchtete, im entscheidenden Moment eingefangene Actionszene, deren Hintergrund sich aus großen, grellen Werbebannern zusammensetzt. Wer sich jetzt die Fotos der Formationswettbewerbe nochmal anschaut wird feststellen, dass mir das teilweise nicht besonders gut gelungen ist. - Ein Gefühl für die Sportart bekommen.
Dieser Punkt ist für gute Bilder viel wichtiger, als ich es mir anfangs eingestehen wollte. Erst wenn man die Sportart “verstanden” hat wird es möglich, die entscheidenden Momente vorauszuahnen und dann effektvoll in Szene zu setzten. Wenn man immer nur dem Geschehen hinterherzoomt, dann verpasst man die guten Fotos um einen kleinen, entscheidenden Moment. Richtig klar geworden ist mir das erst, als ich vor einigen Monaten ein Volleyballturnier fotografiert und am laufenden Band großen Bockmist produziert habe, weil ich nie ganz auf der Höhe des Spiels war.
Ideal ist es, wenn man eine Sportart selber ausgeübt hat – dann kennt man die Bewegungen und kann sich früher auf mögliche fotografische Höhepunkte einstellen. Kurzer Hinweis für’s Tanzen: Hier gibt es fast immer mehrere Runden – in der ersten Runde Choreografien anschauen und Highligthts merken, in der zweiten Runde spektakuläre Fotos machen, die dritte Runde entspannt genießen und dann glücklich nach Hause gehen
Das wär’s für dieses Mal – mich würde (auch im Bezug auf künftige Postings) ernsthaft interessieren, ob dieser kurze Leitfaden manchen von euch eine Hilfe war. Wenn das der Fall ist und ich die Zeit finde werde ich diesen Beitrag möglicherweise im Laufe der Woche noch mit ein paar Beispielaufnahmen garnieren.
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PS: On a totally unrelated topic, Franzi hat grade festgestellt, dass man sein Auto verkaufen sollte, bevor das Erdöl alle ist. Danach sinkt nämlich der Wiederverkaufswert rapide…

